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Risikobericht

Überwachung der Risiken

Ein wirkungsvolles Risikomanagement ist Voraussetzung für die langfristige Entwicklung und die strategische Sicherung des Geschäftserfolges der DZ PRIVATBANK S.A. Zur Steuerung und Überwachung der sich aus dem Bankgeschäft ergebenden Risiken setzt die Bank Überwachungssysteme ein, die fortlaufend weiterentwickelt werden. Die Risikoüberwachung erstreckt sich dabei durchgehend auf den DZ PRIVATBANK Konzern, bestehend aus der DZ PRIVATBANK S.A., der DZ PRIVATBANK (Schweiz) AG, der IPConcept (Luxemburg) S.A. und der IPConcept (Schweiz) AG.

Das Risikomanagement der Bank beinhaltet alle Maßnahmen, die zur Umsetzung der festgelegten Risikostrategien von den verantwortlichen Bereichen ergriffen werden. Dazu zählen hauptsächlich Entscheidungen zur bewusst eingegangenen Risikoübernahme oder zur Risikominderung. Das Teilsegment Risikocontrolling ist besonders für die Transparenz der eingegangenen Risiken in allen Risikokategorien zuständig. Dazu wird den Mitgliedern des Vorstands und diversen Bereichen täglich ein kommentierter Risikobericht mit folgenden Schwerpunkten zur Verfügung gestellt:

  • Marktpreisrisiko auf Value-at-Risk-Basis (VaR) (Konzernebene und diverse Unterportfolios)
  • Credit-VaR (Konzernebene und diverse Unterportfolios)
  • Tägliche Performanceberechnung der Portfolios
  • operationelles Risiko und Geschäftsrisiko
  • Übersicht über die Liquiditätslage (ökonomisch und regulatorisch)

Des Weiteren werden dem Aufsichtsrat, dem Vorstand und bestimmten Bereichen diverse Risikoberichte monatlich oder quartalsweise zur Verfügung gestellt. Dazu zählen u. a. Stresstestdarstellungen sowie Sensitivitätsmatrizen.

Grundzüge der integrierten Risiko- und Kapitalsteuerung

Zur Orientierung an aufsichtsrechtskonformen Best-Practice-Steuerungsansätzen bei Finanzinstituten dient die vom Aufsichtsrat aufgesetzte Risiko-, Kapital- und Liquiditätsstrategie (RKL-Strategie). Die Umsetzung dieser Strategie erfolgt in der vom Vorstand genehmigten Risiko-, Kapital- und Liquiditätspolitik.

Zielsetzung der RKL-Strategie ist, Transparenz zu schaffen über:

  • die grundsätzliche Risikostruktur
  • die Angemessenheit der Verhältnisses aus identifiziertem Risiko und verfügbaren Mitteln zur Deckung von unerwarteten Verlusten (Risikotragfähigkeit)
  • die risikoadjustierte Profitabilität (RAP)

Im Mittelpunkt der RKL-Strategie steht die Zusammenführung folgender vier Elemente in einem konzeptionellen Rahmen:

  • Risikomessung: Eine adäquate Bestimmung der Risikoposition ist das Kernelement der RKL-Politik. Dies erfordert eine Abgrenzung der Risikoarten, in denen alle materiellen Risiken erfasst werden, und Mindestanforderungen bezüglich der Quantifizierung dieser Risiken.
  • Risikotragfähigkeit: Die Risikotragfähigkeitsanalyse stellt die Verlustobergrenze (VOG) und die durch die DZ BANK AG zentral gemessenen Risiken der Risikodeckungsmasse gegenüber.
  • risikoadjustierte Profitabilität: Die Kennziffern Economic Value Added (EVA) und Return on Risk Adjusted Capital (RORAC) stellen Transparenz über die Wertschöpfung der Bank unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken her.
  • Risiko-, Kapital- und Liquiditätssteuerung: Die Operationalisierung der RKL-Strategie erfolgt durch eine konsistente Einbettung in die Planungsprozesse, ein standardisiertes Monitoring der Steuerungsgrößen sowie einen regelmäßigen Reportingprozess mit klaren Verantwortlichkeiten und Eskalationsstufen.

RISIKOMESSUNG

Als Maß für finanzielle Risiken werden der Value at Risk (VaR) sowie Ergebnisveränderungen unter Stresstests verwendet. Der VaR bezeichnet den Verlust, der mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) innerhalb eines bestimmten Zeithorizontes nicht überschritten wird. Stresstests bezeichnen die Analyse der Ergebnisveränderungen unter geeignet definierten Krisenszenarien. Das Resultat der VaR-Messung sowie von geeigneten Stresstests wird als Risikokapitalbedarf bezeichnet. Die Risikomessung für sämtliche Risikoarten erfolgt auf Einzelinstitutsebene sowie auf Konzernebene.

Definition der Risikoarten

In der RKL-Strategie werden materielle Risiken in den nachfolgenden Risikoarten erfasst:

  • Marktpreisrisiko
  • Kreditrisiko
  • operationelles Risiko und Reputationsrisiko
  • Geschäftsrisiko
  • Beteiligungsrisiko
  • Liquiditätsrisiko

Marktpreisrisiko

Die Bank geht zur Wahrnehmung von Geschäftschancen Marktpreisrisiken ein. Unter Marktpreisrisiko versteht man die Gefahr eines Verlustes, der durch Veränderungen von Zinssätzen, Spreads, Ratings (Migrationsrisiko), Wechselkursen, Aktienpreisen sowie Volatilitäten entstehen kann. Spread- und Migrationsrisiken werden zentral von der DZ BANK AG sowohl für die Gruppe wie auch die einzelnen Steuerungseinheiten gemessen und limitiert. Alle übrigen Marktpreisrisiken werden durch ein lokales Limit begrenzt und dabei innerhalb der DZ PRIVATBANK S.A. auf der Grundlage eines  VaR-Ansatzes gemessen und überwacht.

Die Methode auf der Grundlage einer historischen Simulation basiert auf einem Konfidenzniveau von 99 Prozent bei einer unterstellten Haltedauer von einem Handelstag über einen Beobachtungszeitraum von 300 Tagen. Die Limitierung erfolgte auf Basis einer Skalierung auf ein Konfidenzniveau von 99,9 Prozent und einer Haltedauer von einem Jahr.

Um die Zuverlässigkeit des VaR-Ansatzes zu überprüfen, wird täglich ein Backtesting durchgeführt. Hierbei werden die täglichen Gewinne und Verluste mit den anhand der Risikomodellierung errechneten VaR-Zahlen verglichen. Basis-Point-Value-Verfahren sowie Stresstestverfahren, bei denen diverse Marktbewegungen simuliert werden, ergänzen die Marktpreisrisikoüberwachung.

Marktpreisrisikoentwicklung DZ PRIVATBANK S.A.

99 Prozent Konfidenzniveau, zehn Tage Haltedauer.

KREDITRISIKO

Das Kreditrisiko bezeichnet das Risiko unerwarteter Verluste durch Ausfall von Kontrahenten. Der Risikokapitalbedarf für das Kreditrisiko wird mittels eines Portfoliomodells (Creditmetrics) quantifiziert. Hierbei wird eine Verlustverteilung auf Basis von Simulationsrechnungen ermittelt, mit der der unerwartete Verlust und damit der Risikokapitalbedarf abgeschätzt werden kann.

 

KONZENTRATION VON KREDITRISIKEN

Der Bereich Kredit der DZ PRIVATBANK S.A. ist konzernweit zuständig für das Verbundkreditgeschäft in Fremdwährungen. Es umfasst die direkte Refinanzierung der genossenschaftlichen Banken sowie das avalierte Kreditgeschäft ihrer Kunden. Weitere Geschäftstätigkeiten stellen das Lombardkreditgeschäft, Geldhandelsaktivitäten und das Wertpapiergeschäft dar.

 

Die Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF hat der DZ PRIVATBANK S.A. mit Schreiben vom 20. Juli 1994 im Hinblick auf die Begrenzung der Großrisiken die Zustimmung erteilt, die Risiken gegenüber Gesellschaften der DZ BANK Gruppe insgesamt mit null zu gewichten.

 

OPERATIONELLES RISIKO

In Anlehnung an die bankenaufsichtsrechtliche Definition versteht die Bank unter operationellem Risiko die Gefahr, die von Verlusten durch menschliches Verhalten, Prozess- oder Projektmanagementschwächen, technologisches Versagen oder durch externe Ereignisse hervorgerufen wird.

Das Rechts- und das IT-Risiko sind in die Definition einbezogen, strategische und Reputationsrisiken sind nicht enthalten. Operationelle Risiken sind als eigene Risikoart angesiedelt und bedürfen entsprechender umfassender Management-, Controlling- und Überwachungstätigkeiten. Ziel ist, solche Risiken zu identifizieren, zu begrenzen und zu vermeiden.

 

– FRÜHWARNSYSTEM / RISIKOINDIKATOREN

Frühwarnsysteme werden zur systematischen Aufdeckung und Erkennung möglichst aller bankbetrieblichen Risiken eingesetzt. Als Warnsignale fungieren Risikoindikatoren, die gemessen an festgelegten Schwellenwerten eine Indikation auf mögliche operationelle Risiken anzeigen. Sie können deshalb der Bank als Frühwarnsystem für bedrohliche Trends und Entwicklungen im Bankbetrieb dienen.

 

– VERLUSTDATENBANK

Eine wesentliche Hilfe bei der Identifikation operationeller Risiken sind Verlustdaten. Durch eine systematische Sammlung und Analyse dieser Daten lassen sich Schwachstellen identifizieren und Maßnahmen zur Verbesserung dieser Schwachstellen initiieren. Um die Anforderungen an Vollständigkeit, Qualität und Revisionssicherheit sicherzustellen, setzt die Bank zur Verlustdatensammlung die Software ORC (Operational Risk Center) ein. Die Verlustdatenbank enthält Daten ab dem Jahr 2003.

 

– SELF-ASSESSMENT

Das Self-Assessment der DZ PRIVATBANK S.A. dient zur Risikopotenzialschätzung. Es wird im Rahmen des DZ BANK Konzern-Risiko-Self-Assessments durchgeführt. Dabei werden die grundsätzlichen Szenarien zentral von der DZ BANK AG vorgegeben. Darauf basieren dann die konkreten Szenariobeschreibungen und -ausprägungen (Schätzung der Verlusthäufigkeiten und -höhen).

Um möglichen Risiken im Bereich Personalwesen zu begegnen, richtet die Bank ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl, die Einarbeitung, den Einsatz sowie die Förderung und Entwicklung der Mitarbeiter. Die Aufbau- und Ablauforganisation der Bank berücksichtigen eine strenge Funktionstrennung, die Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips, strikte Zugriffskontrollen, Kompetenz- und Vertretungsregeln. Die Organisationshandbücher sowie die Arbeitsanweisungen werden kontinuierlich angepasst.

Ein standardisiertes Verfahren stellt sicher, dass mit der Einführung neuer Produkte oder Produktvarianten die operationellen und alle sonstigen Risiken ausreichend geprüft werden. Die Identifizierung und Bearbeitung von Rechtsrisiken obliegen dem Bereich Recht/Compliance/Geldwäsche. Auch die aus gesetzlichen Compliance-Anforderungen resultierenden Überwachungsaufgaben werden dort wahr-genommen. Mit dem Business-Recovery-Zentrum und dem Disaster-Recovery-Zentrum kann der Geschäftsbetrieb der Bank an anderer Stelle in Luxemburg weitergeführt werden.

Der Risikokapitalbedarf für das operationelle Risiko wird quartalsweise zentral durch die DZ BANK AG ermittelt. In das ökonomische Modell fließen sowohl die historischen Verlustdaten wie auch die Risikopotenzialschätzungen aus dem Risiko-Self-Assessment ein.

 

GESCHÄFTSRISIKO

Das Geschäftsrisiko bezeichnet die Gefahr eines Verlustes aus Ergebnisschwankungen, die sich bei gegebener Geschäftsstrategie ergeben können und nicht durch andere Risikoarten abgedeckt sind. Insbesondere umfasst dies das Risiko, das aufgrund von Veränderungen wesentlicher Rahmenbedingungen (z.B. Wirtschafts- und Produktumfeld, Kundenverhalten, Wettbewerbssituation) den Verlusten rein operativ nicht begegnet werden kann.

In Übereinstimmung mit den Konzepten zum Risikomanagement und -controlling der anderen Risiken misst die Bank ihr Geschäftsrisiko als VaR auf Basis eines Varianz-/Kovarianz-Ansatzes. Das zur Unterlegung von Geschäftsrisiken notwendige Kapital wird von der Volatilität der beiden genannten Risikotreiber – Erträge und Kosten – sowie deren Korrelation bestimmt.

 

BETEILIGUNGSRISIKO

Beteiligungsrisiken werden für solche Beteiligungen berechnet, die nicht unmittelbar in die Risikosteuerung der DZ PRIVATBANK einbezogen sind. Da sämtliche Einheiten der DZ PRIVATBANK in die Risikosteuerung integriert sind, ist dieser Ansatz zum Berichtsstichtag nicht relevant.

 

LIQUIDITÄTSRISIKO

Unter Liquiditätsrisiko im engeren Sinn versteht die DZ PRIVATBANK die Gefahr, dass liquide Mittel zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Das Liquiditätsrisiko wird damit als Zahlungsunfähigkeitsrisiko verstanden. Das Refinanzierungsrisiko bezeichnet die Gefahr eines Verlustes, der aus einer Verschlechterung des eigenen Liquiditätsspreads (als Teil des Eigenemissionsspreads) der DZ PRIVATBANK entstehen kann. Bei steigendem Liquiditätsspread kann zukünftiger Liquiditätsbedarf nur mit Zusatzkosten geschlossen werden.

Auf Basis der Geschäftsstrategie und der Geschäftsaktivitäten werden die wesentlichen Quellen für Liquiditätsrisiken identifiziert.

Zur Messung und Steuerung der Liquiditätsrisiken setzt die Bank ein internes Liquiditätsrisikomodell ein. Hierbei wird auf täglicher Basis Transparenz über die erwarteten und unerwarteten Liquiditätsflüsse („Forward Cash Exposure“) sowie die zum Ausgleich von Liquiditätsunterdeckungen verwendbaren Liquiditätsreserven („Counterbalancing Capacity“) geschaffen. Dabei werden sowohl ein Normalszenario als auch mehrere Stressszenarien betrachtet. Ziel ist ein positiver Zahlungsmittelüberschuss in allen relevanten Szenarien im entsprechenden Prognosezeitraum. Um auf Krisenereignisse schnell und koordiniert reagieren zu können, existiert ein Liquiditätsnotfallplan.

 

Luxemburg, 15. Februar 2019

Der Vorstand

Peter Schirmbeck                 Ralf Bringmann             Dr. Frank Müller

Vorsitzender

 

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